Wo der Schuh drückt: Bürgerbeteiligung am Lerchenauer Feld

Über ein Jahr hinweg wurde im Rahmen eines Wettbewerbs das städtebauliche und landschaftsplanerische Konzept für das Lerchenauer Feld erarbeitet, an dessen Ende ein hoch gelobter Gewinner stand. Die Bürger in Feldmoching wurden stets einbezogen und um Hinweise und Anregungen gebeten.

Maximilian Schnizer weiß noch, wie sie alle geschwitzt haben, die Offiziellen in den Anzügen und die fast 200 Bürger. Es war ein Dienstagabend Ende Juni 2019, Höhepunkt der Hitzewelle, in der schwülen Mehrzweckhalle in Feldmoching stand die Luft. „Ich war überrascht, wie viele Leute trotz der Temperaturen kamen“, sagt der Junior-Projektentwickler der Bayerischen Hausbau. „Und wie gut das Klima war – trotz der Hitze.“

Es war der zweite öffentliche Dialog über das Bauprojekt am Lerchenauer Feld: ein 23 Hektar großes Quartier südlich des Feldmochinger Ortskerns, mit mehr als 1.600 Wohnungen, einem Schulcampus, zwei Sporthallen, einem Hallenbad, fünf Kitas, einem Jugendhaus und einer Pflegeeinrichtung. Knapp die Hälfte des Grundstücks gehört der Stadt München, die andere Hälfte der Wohn Park Lerchenauer Feld, einem Joint Venture von Bayerischer Hausbau und Concept Bau.

Im Winter, Sommer und wieder im Winter hatten die Projektbeteiligten in die Feldmochinger Mehrzweckhalle eingeladen.

„Ohne Bürgerbeteiligung sind Projekte in dieser Größenordnung in Zukunft gar nicht mehr
möglich“, sagt Projektleiterin Christine Kirchner, die die Quartiersentwicklung zusammen mit Schnizer begleitet. „Die Menschen möchten dabei sein und mitreden.“ Im Fall des Lerchenauer Felds war die Partizipation so groß wie selten: In drei öffentlichen Dialogen im Februar, Juni und November 2019 ließen sich die Bürger die Projekte vorstellen, tauschten sich mit Experten aus, äußerten ihre Bedenken und Anregungen – und nahmen damit Einfluss auf den zweistufigen städtebaulichen und landschaftsplanerischen Wettbewerb.

„Der Entwurf verbeugt sich vor den Nachbarn“

Natürlich können nicht alle Wünsche erfüllt werden – schon allein deshalb, weil es teilweise sehr unterschiedliche Vorstellungen gab: Die einen wollten mehr Wohnungen, die anderen weniger; die einen keine Hochhäuser, die anderen ausschließlich Hochhäuser, damit möglichst viel Grün erhalten bliebe. Manche forderten eine Realschule statt eines Gymnasiums, andere ein autofreies Viertel, Photovoltaikanlagen, ein Kino oder einen Biergarten. Einig waren sich die Feldmochinger allerdings darin, dass der Verkehr gut geregelt werden müsste und die Bebauung sich an den baulichen Charakter der Umgebung anpassen sollte.

 

Noch ist das Lerchenauer Feld ein 23 Hektar großes, unbebautes Gelände.

„Natürlich gab es auch Kritik“, sagt Projektleiterin Kirchner über den Entwurf, anhand dessen in den kommenden Jahren der Bebauungsplan ausgearbeitet wird. „Aber ich hatte das Gefühl, dass die Bürger die Einbindung wertgeschätzt haben.“ Am Ende, sagt sie, hätten die Dialoge für große Akzeptanz gesorgt und das Wohnquartier am Lerchenauer Feld besser gemacht – für alle Beteiligten.

Eine Dokumentation der gesamten Bürgerbeteiligung ist hier verfügbar (PDF, 15 MB). 

Mehr zum Thema:

Diesen Artikel teilen: