Mieter-App und Mängelsoftware: die Bayerische Hausbau im digitalen Wandel

Christian Huber hat mit IT-Koordinator Christian Gebhard über Entwicklungen und Projekte gesprochen, die die Arbeit im Unternehmen in den kommenden Jahren verändern werden.

Auch in der Immobilienwirtschaft spielt das Thema Digitalisierung mittlerweile eine große Rolle. Der dritten Digitalisierungsstudie des Zentralen Immobilien Ausschusses und EY Real Estate zufolge zählt sich jedoch nicht einmal jedes zehnte befragte Immobilienunternehmen zur digitalen Speerspitze. Der Großteil der Unternehmen (77 Prozent) befindet sich entweder in einer Phase der Entwicklung oder der Etablierung des eigenen digitalen Wandels.  

Christian, wie digital ist die Bayerische Hausbau im Vergleich zu den Mitbewerbern aufgestellt?

Es gibt Unternehmen, die teilweise schon weiter in der Umsetzung sind. Wir haben den großen Wettbewerbsvorteil, dass wir auf unsere Spezialisten in der Schörghuber IT zurückgreifen können und dadurch auch vom Erfahrungsschatz der anderen Unternehmensbereiche profitieren. Das Wichtigste ist aber, dass generell der Bedarf hinsichtlich der Digitalisierung erkannt wurde und unsere Geschäftsführung und Geschäftsleitung den Themen offen gegenübersteht. Wir erfahren hier die volle Unterstützung.

Wo sind derzeit die größten IT-Baustellen?

Großes Potenzial sehe ich in der Verbesserung der Kommunikation und des Datenaustausches innerhalb unserer Softwaresysteme. Da muss es uns gelingen, Schnittstellen zu standardisieren, Stammdaten zu bereinigen und jegliche Art von Doppelpflege von Daten zu vermeiden. Neue Lösungen könnten wir dadurch einfacher an die bestehende Infrastruktur andocken. Bedarf sehe ich zudem im Prozessmanagement. Dabei geht es nicht nur darum, vorhandene Prozesse zu verbessern und zu digitalisieren. Vielmehr gilt es auch, innovative Methoden anzuwenden und neue Wege zu gehen.

Gibt es bereits konkrete Maßnahmen, diese ambitionierten Ziele zu erreichen?

Natürlich. Die Bestandsdokumentation unserer Immobilien aus über 9.000 Ordnern werden wir mit der Dokumentenmanagement-Lösung DocuWare digital zur Verfügung stellen können. Aufwendige und zeitraubende Recherchen in den Papierarchiven werden dadurch entfallen. Mit docma MM ermöglichen wir, unseren Mängelmanagement-Prozess zu standardisieren und die Qualität unserer Bauleistung zu verbessern. Sehr gespannt bin ich auf das Feedback im Property Management, wenn wir casavi auf breiter Front für alle unsere Mieter ausrollen und neue Wege im Bereich der Mieterkommunikation gehen werden. 

Die Mängelmanagement-Software docma MM: Mängel und Restleistungen bei Bauprojekten können damit mobil per Smartphone-App erfasst werden.

Inwiefern wird bei den von dir genannten Projekten auch auf die spezifischen Wünsche und Bedürfnisse der Kolleginnen und Kollegen eingegangen?

Bei einem Projekt sind beispielsweise bis zu 30 Mitarbeiter aus verschiedenen Fachabteilungen involviert. Es finden wöchentlich Workshops sowie Arbeitsgruppen in den jeweiligen Pilotprojekten statt, damit die Lösung optimal auf die Erfordernisse in der Praxis abgestimmt werden kann. Sämtliche Wünsche, Probleme und Fragestellungen werden mit tatkräftiger Unterstützung der IT-Projektmanager von der Schörghuber IT dokumentiert, priorisiert und mit dem Softwarehersteller abgestimmt und verfolgt. Auch für DocuWare haben wir zahlreiche Workshops und Testphasen in diversen Abteilungen durchgeführt. Und bei casavi haben wir Pilotanwender aus dem Bereich Property Management und der Mieterkommunikation involviert. Das Customizing, also die Anpassung der Lösung, erfolgt auf Basis von deren Erfahrung.

Die Mitarbeiter spielen also eine wichtige Rolle?

Die entscheidende. Damit die Digitalisierungsprojekte sinnvoll Zug um Zug umgesetzt werden können, müssen die betroffenen Mitarbeiter stets involviert sein. Wir sind uns dabei bewusst, dass das Tagesgeschäft und die Projektarbeit darunter nicht leiden dürfen. Der für die Bayerische Hausbau notwendige digitale Wandel lässt sich nur dann realisieren, wenn die grundsätzliche Bereitschaft vorhanden ist, Neues auszuprobieren und die zukünftige Lösung mitgestalten zu wollen. Aus meinen bisherigen Erfahrungen kann ich sagen, dass die Kolleginnen und Kollegen voll mitziehen und mit enormem Engagement bei der Sache sind. Dafür möchte ich mich sehr herzlich bedanken.

Um einen Blick in die Zukunft werfen zu können, kommt man nicht an den so genannten PropTech-Unternehmen vorbei, also Start-up-Unternehmen, die digitale Produkte und Dienstleistungen für die Immobilienwirtschaft anbieten. Werden sie auch die Zukunft der Bayerischen Hausbau verändern?

Durch die explodierende Anzahl der PropTechs wird es immer schwerer, die richtigen Lösungen zu identifizieren, die durch neue Geschäftsideen und Lösungsansätze einen deutlichen Mehrwert bringen könnten. Es muss uns gelingen, die richtigen davon auszuwählen und mit den betroffenen Fachabteilungen herauszuarbeiten, welcher Mehrwert uns daraus entstehen könnte. Meist decken die PropTechs nur bestimmte Themengebiete ab, so dass ohne automatisierte Schnittstellen ein hoher Aufwand für die doppelte Datenpflege anfallen würde. Die Gefahr ist groß, dass man sich ohne einen vernünftigen Analyse- und Auswahlprozess verrennt, in der Umsetzung dann Frust bei den Mitarbeitern erzeugt und am Ende nichts gewonnen ist. Wie bereits erwähnt: Ohne die Mitarbeiter wird Digitalisierung nicht funktionieren.

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