Ein Garten ganz nah an den Sternen

Ganz langsam wachsen sie in die Höhe, wobei von der Höhe noch relativ wenig zu sehen ist. Die Häuser des Projekts Nockherberg Nord mit dem Sternenhaus an der Regerstraße. Gerade betonieren mehrere Bauarbeiter die Decke über dem ersten Untergeschoss. Von den Sternen ist das Bauwerk aber noch ein Stück weit entfernt, um genau zu sein, zwei Jahre bis zur Fertigstellung, bis zu acht Geschosse und insgesamt 26 Meter. Projektleiter Josef Stangl schaut auf das benachbarte Projekt Nockherberg Mitte, das diese Höhe schon seit letztem Jahr erreicht hat und diesen Spätsommer fertig sein wird. „Von den anderen Projekten am Nockherberg bekomme ich durch die Kollegen sehr viel mit, wir tauschen uns aus und davon kann ich letztendlich stark profitieren, da die Teilprojekte Nockherberg Mitte und Nockherberg Süd immer schon ein Stück weiter sind“, sagt Josef Stangl. Das Bauvorhaben am Nockherberg ist eine der letzten innerstädtischen Entwicklungen. Auf der rund 91.000 m² großen, ehemals vollständig versiegelten Fläche, auf der früher Bier gebraut wurde, entsteht seit 2017 ein Quartier mit den Teilprojekten an der Regerstraße sowie dem Welfen­garten in der Welfenstraße und Am Alten Eiswerk in der Falkenstraße. Die beiden Letztgenannten sind bereits fertig gestellt und auch die Wohnungen sind schon bezogen.  

Projektleiter Josef Stangl auf der Baustelle Nockherberg Nord

Ein bundesweit einzigartiges Leuchtturmprojekt

In gewisser Weise hat der Nockherberg Nord eine Sonderstellung im Gesamtprojekt. Dort entsteht neben 94 Wohneinheiten und einer integrierten Kindertagesstätte auch das Sternenhaus, ein bundes­weit einzigartiges Leuchtturmprojekt, das Kindern, die ihre Eltern, oder jungen Menschen, die ihren Partner verloren haben, Zuflucht bieten wird. Hier soll offen mit Trauer umgegangen werden und hier ist Raum für das Schicksal jedes Einzelnen, aber eben auch für Hoffnung und Zuversicht und für ein vielfältiges Unterstützungsangebot, in dem auch Spiel, Bewegung und Kreativität integriert werden. Und das auf rund 1.250 m². Das Sternenhaus ist ein Projekt der Nicolaidis YoungWings Stiftung, deren Gründerin schon lange von so einem Ort träumte, der nun mit Unterstützung von Alexandra Schörg­huber, der Stefan Schörghuber Stiftung als Spendengeberin und der Bayerischen Hausbau als Projekt­partner verwirklicht wird. Eine architektonische Besonderheit: der rund sechs Meter hohe verglaste Sternengarten mit rund 190 m². „Das wird eine Oase mit intensiver Begrünung, Bäumen und einem kleinen Bachlauf unterm Glasdach“, sagt Stangl. „Eine Klimaanlage wird es aus energetischen Gründen nicht geben. Stattdessen wird die Sonneneinstrahlung durch elektrochromes Glas reduziert, das sich durch Anlegen elektrischer Spannung stufenlos verdunkeln lässt“. Eine Raffinesse, die dem Haus technisch gesehen die verdunkelbare Krone aufsetzt. Des Weiteren wird durch eine natürliche Querlüftung, die durch eine automatische Steuerung der Fensterflügel reguliert wird, Wärme abgeführt.

Die Arbeiten am Nockherberg Nord gehen voran.

Bis ins Detail

Auch in den Ein- bis Vier-Zimmer-Wohnungen des Nockherberg Nord bietet die Bayerische Hausbau digitalen Komfort: Neben dem Glasfaserkabel wird eine KNX-Verkabelung mit Aktoren und Sensoren für die Smart Home Aus­stat­tung verlegt. Dadurch ist mitunter die Steuerung von Roll­laden, Licht und Raum­temperatur flexibel und auch über das Smartphone möglich. Anhand von Sensoren im Fenster­rahmen können die zukünftigen Bewohner auch von unterwegs überprüfen, ob alle Fenster geschlossen sind, ebenso ist ein Fernzugriff auf die Video-Türgegensprechanlage möglich. Für den Ausbau der Wohnungen bietet die Bayerische Hausbau vier Ausstat­tungs­linien an, von denen jede für sich ein stimmiges Gesamtgestaltungskonzept abbildet. Dadurch reduziert sich für den Kunden die Summe der Einzelentscheidungen für Oberflächen, wie Parkett, Boden- und Wandfliesen, aber auch für Ausstattungselemente, wie Waschtisch, Armaturen, bis hin zum letzten Handtuchhaken. Darüber hinaus haben die zukünftigen Eigentümer des Quartiers die Möglichkeit durch eine detaillierte Materialauswahl ihre Wohnung persönlich zu gestalten. Auch hierbei war Josef Stangl, an der Entwicklung beteiligt und stand eng mit der Abteilung Vertrieb im Austausch. Denn oftmals ist Projektleitung auch Detailarbeit.

Wie ein gewachsener Stadtbaustein

So vielfältig wie es im Inneren des Quartiers zugeht, so abwechslungsreich wird auch das Äußere der Bebauung gestaltet. Auf Basis des städtebaulichen Konzeptes von Rapp + Rapp entstehen in Kooperation mit dem Architekturbüro Henning Larsen sowie Teamwerk Architekten sechs Häuser, die sich in Höhe und Breite sowie auch in ihrer Farbigkeit und Materialität unterscheiden – alle werden in einem sandstein­farbenen Ton gehalten sein, aber eben abgestuft in bestimmten Nuancen – damit das Projekt nicht wirkt, wie aus einem Guss, sondern eher einem Stadtbaustein gleicht, der Stück für Stück gewachsen ist. Zusätzlich wurde die Plan­ung nach dem zweistufigen Wettbewerb des Gesamtquartiers, an dem die Bürger umfassend beteiligt wurden, in weiteren Gestaltungsgremien zusammen mit der Landes­hauptstadt München, dem Bezirks­aus­schuss und freien Architekten diskutiert. Diese Termine fanden noch vor Ort statt, mittlerweile ist vieles coronabedingt anders. Josef Stangl ist nur mehr selten im Büro, erledigt vieles vom Homeoffice aus und ist ungefähr zweimal in der Woche in seinem Projekt­leitungsbüro, das sich in einem Container direkt an der Baustelle befindet. So könne er sich mit dem Team und den anderen Abteilungen im Haus abstimmen und gleichzeitig flexibel auf die täglich anfallenden Herausforderungen reagieren, und die sind beim Bauen immer vielfältig. Unterstützt wird er dabei auch von seiner Projektassistentin Julia Unterhauser.

Projektleiter Josef Stangl hat den Blick fürs Ganze.

Den Überblick behalten

Auf die Frage nach der Wochenstruktur lacht der studierte Bauingenieur nur: „Oft weiß ich nicht mal, was der nächste Tag an neuen Herausforderungen so mit sich bringt. Natürlich habe ich meine Regel­termine und Aufgaben, die ich mir morgens zurechtlege, aber trotzdem kommen täglich neue Themen hinzu, die oft auch kurzfristig geklärt werden müssen und einer Entscheidung bedürfen.“ Beim Projekt Nock­­herberg Nord gibt es letztendlich drei Bauherren unter einem Dach: Die Landeshauptstadt München für die Kindertagesstätte, die Nicolaidis YoungWings Stiftung für das Sternenhaus und die Bayerische Hausbau für die Wohnungen. „Da ist es die Aufgabe des Projektleiters, zwischen den Teams zu jonglieren und alle einzufangen. Auch wenn es mehr oder weniger drei Teilprojekte sind, müssen wir alles parallel abwickeln und aufeinander abstimmen“, sagt Josef Stangl. Das sei auch eine der Hauptaufgaben eines Projektleiters. Dabei gilt es, Probleme und Herausforderungen nicht nur zu erkennen, sondern auch entsprechende Lösungen dafür zu finden und sich bei so vielen Einzelthemen und den unterschiedlichen Teams nicht in Details zu verlieren – eben doch nicht immer Detailarbeit. „Da ist man als Projektleiter gefordert, die Themen dann entsprechend an die einzelnen Fachplaner zu delegieren, anstatt sich selbst zu sehr auf die Details zu stürzen. Sonst verliert man den Blick fürs Ganze. Denn das Wichtigste ist, den Gesamtüberblick im Projekt zu behalten.“ Und um den Überblick zu behalten, ist ein Büro mit Baustellenausblick von Vorteil. Und natürlich ein gewisses Maß an Erfahrung und zugleich auch an Neugierde. Ursprünglich hat Josef Stangl einen handwerklichen Beruf als Schreiner erlernt, sich im Nachgang aber noch für ein Bauingenieursstudium entschieden. Nach dessen Abschluss war er sowohl in der Planung als auch in der Bauleitung tätig. „Es ist ein großer Vorteil, dass ich die wesentlichen Phasen eines Projekts schon selbst durchlaufen konnte und die damit verbundenen Herausforderungen und Themen schon kenne. Dadurch kann man mit den Projekt­beteiligten zum Teil auch auf einem ganz anderen Level diskutieren, das hilft sehr.“ Dass er dem Hand­werk und insbesondere dem Baugewerbe verbunden bleiben würde, das war Josef Stangl von Anfang an klar. „Weil man beim Bauen einfach mitbekommt und sieht, dass etwas entsteht, was dann auch langfristig Bestand hat. Da fährt man vielleicht in 20 Jahren immer noch daran vorbei und weiß, dass man daran damals beteiligt war.“

Ein besonderes Projekt

Der Nockherberg Nord habe vielerlei Besonderheiten vorzuweisen, betont Stangl. „Es ist einfach ein schönes Projekt und nicht der typische Wohnblock, wie man ihn vielfach sieht. Es ist ein Bauvorhaben, auf das man später auch stolz sein kann und bei dem man natürlich auch einiges lernt, alleine schon durch die unterschiedlichen Nutzungseinheiten, die das Projekt vereint.“ Als Projektleiter sei es nicht nur wichtig, dass man sich fachlich und technisch gut auskennen würde und bereit sei, sich stets neue Kenntnisse anzueignen, meint Stangl, daneben sei auch die soziale Kompetenz im Umgang mit dem Projektteam und den Partnerfirmen von entscheidender Bedeutung: „Bei all der Hektik darf das Zwischen­menschliche nicht verloren gehen. Natürlich ist es wichtig alles schriftlich festzuhalten, trotzdem ist es manchmal von Vorteil, vorher kurz zum Hörer zu greifen. Wichtig ist auch, dass man alle mitnimmt und rechtzeitig auf Themen hinweist, die zu erledigen sind und nicht drei Tage vorher mit Abgabe- oder Fertigstellungsterminen ums Eck kommt. Nur so bleibt die Motivation im Team bestehen und das Projekt im Fluss.“ Ihn selbst motiviert bei diesem Projekt auch die soziale Komponente, die mit dem Sternenhauses verbunden ist, auch wenn diese selbstverständlich einen deutlichen Mehraufwand in der Planung des Quartiersabschnitts und einen erhöhten Abstim­mungs­bedarf in der Ausführung bedeutet. Das würde aber um ein Vielfaches dadurch aufgewogen, an einem Projekt mit Zukunft mitzuwirken, an einem Projekt, das die Stadt München bereichern und ein klein wenig bunter machen wird – durch sein soziales Angebot, die unterschiedlichen Fassaden und durch den gläsernen, bepflanzten Sternengarten.

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