Das Haus der Gegenwart – ein Stück deutscher Architekturgeschichte

„Wie wollen wir in der Zukunft wohnen?“ – unter dieser Fragestellung entstand 2001 die Idee für den Bau des Hauses der Gegenwart. Initiiert vom SZ-Magazin und unterstützt von der Stadt München hatte die Bayerischen Hausbau als führender, innovativer Bauträger das als temporär konzipierte Projekt im Jahr 2005 in die Tat umgesetzt. Insgesamt sechs Jahre stand das Objekt in München-Riem auf dem Gelände der früheren Bundesgartenschau und damit deutlich länger, als ursprünglich geplant.

Die Geschichte des Hauses der Gegenwart begann im Jahr 2001. Das SZ-Magazin der Süddeutschen Zeitung fragte in seinem Blatt wie Wohnen in den kommenden Jahren aussehen werde: Wie leben Menschen heute? Was macht eine Familie heute aus? Ist das traditionelle Modell eines Haushaltes von zwei Eltern und zwei Kindern überhaupt noch zeitgemäß? Oder wird sich das alles in Zukunft grundsätzlich ändern? Wird es mehr Patchwork-Familien geben, mehr Wohngemeinschaften? Und wie wohnen die Mitglieder eines Hauses dann zusammen?

Zur Beantwortung dieser Fragen schrieb das SZ-Magazin einen internationalen Architektenwettbewerb aus und verbündete sich für die bauliche Umsetzung des Entwurfs mit weiteren Partnern. Am Zukunftsobjekt Haus der Gegenwart beteiligt waren fortan neben der Süddeutschen Zeitung, die Landeshauptstadt München, die Fördergesellschaft Landespflege Bayern und die Bayerische Hausbau.

Haus der Gegenwart als Prototyp eines möglichen Serienmodells

„Das Haus der Gegenwart sollte keine auf dem Zeichentisch entwickelte reine Zukunftsvision werden, sondern am Ende auch realisierbar sein“, sagt Holger Lösch, damals Leiter Kommunikation & Marketing der Schörghuber Unternehmensgruppe und heute stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie. Die Bayerische Hausbau, galt als idealer Partner. „Wir hatten uns als führender und innovativer Bauträger ausgezeichnet“, sagt Holger Lösch. „Und maßgeblich das Erscheinungsbild der Stadt München mitgestaltet.“ Das Haus der Gegenwart sah die Bayerische Hausbau auch als einen Prototyp eines möglichen Serienmodells, das bei Erfolg auf dem Markt angeboten werden konnte.

Holger Lösch

„Das Haus der Gegenwart sollte keine auf dem Zeichentisch entwickelte reine Zukunftsvision werden, sondern am Ende auch realisierbar sein."

Die Aufgabe der Wettbewerbsteilnehmer war es, das ideale Wohnhaus der nächsten Jahrzehnte zu entwickeln und Antworten auf schwierige Fragen des künftigen Zusammenlebens und Wohnens zu liefern. Der Fantasie der Experten waren bei ihren Entwürfen allerdings enge Grenzen gesetzt. Das Wohnhaus der Zukunft sollte am Stadtrand einer mitteleuropäischen Großstadt stehen und Platz für insgesamt vier Personen bieten. Die Nutzfläche durfte etwa 200 Quadratmeter und die Grundstücksgröße rund 500 Quadratmeter nicht übersteigen. Auch die Gesamtkosten für das ideale Wohnhaus wurden gedeckelt, auf einen maximalen Baupreis von 250.000 Euro.

Insgesamt 34 Architekten beteiligten sich an der Ausschreibung. Drei Entwürfe kamen in die engere Auswahl und wurden am Ende als Sieger prämiert: der Architekt und Stadtplaner André Poitiers aus Hamburg, das Büro Ortner & Ortner Baukunst aus Wien und Allmann Sattler Wappner Architekten aus München.

Bayerische Hausbau übernimmt als innovativer Bauträger Umsetzung und Kosten

„Einer wollte das Haus der Gegenwart in Form eines Schiffs bauen“, erinnert sich Holger Lösch. Am Ende entschieden sich die Wettbewerbs-Initiatoren für den Entwurf von Allmann Sattler Wappner Architekten. Die Bayerische Hausbau übernahm wie vereinbart die bauliche Umsetzung des Siegermodells und die veranschlagten Kosten von 250.000 Euro. Auch zahlreiche Sponsoren waren von der Idee begeistert. Sie boten für die Innenausstattung und den Garten spontan ihre Produkte an. So verfügte das Haus der Gegenwart über eine zum damaligen Zeitpunkt State of the Art Küchen- und Bädereinrichtung, moderne Glastüren und hochwertige Bodenbeläge. „Heute wäre das Haus vermutlich eine Million Euro wert gewesen“, sagt Holger Lösch.

Die Landeshauptstadt München stellte für das Haus der Gegenwart ein Grundstück in München-Riem zur Verfügung. Offizielle Adresse: Georg-Kerschensteiner-Straße 55. Die feierliche Eröffnung fand am 30. Januar 2005 im Rahmen der Bundesgartenschau statt. Als Stargast konnten die Initiatoren Bill Gates begrüßen. Der Microsoft-Gründer hatte das Haus der Gegenwart mit seiner E-Home-Technik ausgestattet, die für die Steuerung des Hauses eine Schlüsselrolle spielte. Die potenziellen Bewohner konnten unter anderem Jalousien, Fenster, aber auch den Herd und die Bewässerung des Gartens über ein Touchdisplay bedienen. Damals stand diese Technik noch am Anfang, heute gehört sie als „Smart Living“ in vielen Wohnhäusern bereits zum Standard. Die Bayerische Hausbau hat die Technik als innovativer Bauträger serienmäßig in zahlreichen Projekten wie zum Beispiel am Nockherberg installiert.

Das Haus der Gegenwart wurde von Microsoft mit E-Home-Technik ausgestattet. 2005 stand diese Technik noch am Anfang, heute ist sie Standard.

Wohnhaus neu gedacht

Doch nicht nur die Technik war bei der Eröffnung des Hauses der Gegenwart einzigartig. Auch das architektonische Konzept von Allmann Sattler Wappner setzte neue Maßstäbe. Die Idee war es, das Zusammenleben seiner Bewohner in enger Symbiose mit der Natur in den Vordergrund zu stellen. „Die Terrassen konstituierten durch dieses Konzept neue Lebensräume für die Bewohner“, sagt Holger Lösch.

Außergewöhnlich war auch die Struktur des Einfamilienhauses, in dem Materialien wie Glas, Beton und Holz dominierten. Sie wurde vollständig auf den Kopf gestellt. Statt die privaten Räume wie in vielen Wohneinheiten üblich in den ersten Stock zu verlegen, lagen sie im Haus der Gegenwart im Erdgeschoss. Sie verfügen über separate Eingänge, Bäder und Gärten. Der darüber gebaute zentrale Wohnbereich wird von Einzelräumen strukturell und bildlich getragen und verbindet sie räumlich. Die Übergänge zwischen Privatsphäre und Öffentlichkeit sowie Haus und Garten wirken dadurch fließend.

Haus der Gegenwart: Abriss nach sechs Jahren

Insgesamt sechs Jahre war das Haus der Gegenwart ein öffentlicher Ort der Begegnung, des Austausches und der Innovationen. Eine Familie mit zwei Kindern wohnte dort nur wenige Tage. Dafür kamen in den sechs Jahren mehr als 150.000 Besucher zu einer Vielzahl von hochkarätigen Veranstaltungen und Events.

 „Allen Beteiligten war aber auch immer klar, dass das Haus der Gegenwart ein temporäres Projekt war“, sagt Holger Lösch. „Auch wenn viele die Hoffnung hatten, dass es immer weitergeht.“ Im Sommer 2011 war es dann so weit. Nach sechs Jahren wurde das Haus der Gegenwart abgebaut.

Über den Autor

Bernhard Taubenberger
Leiter Kommunikation & Marketing

+ 49 89 9238-258

be.taubenberger@hausbau.de

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